Porsche · Digitale Pressemappe

1951 bis 1959
Vom „Alubüchsle“ zum ersten Podium
Vom „Alubüchsle“ zum ersten Podium
356 SL 1100 in Le Mans m 23./24.6.1951. Auguste Veuillet und Edmond Mouche erreichten mit diesem Wagen bei dem ersten Einsatz eines Porsche in Le Mans den Sieg in der Klasse bis 1100 ccm
356 SL – 550 – 718: Erste Erfolge, Premiere des Fuhrmann-Motors, Magliolis nächtliche Rettungsaktion und das erste Podium in der Gesamtwertung
Beim dritten 24-Stunden-Rennen nach dem Krieg ist Porsche 1951 als erster und einziger deutscher Hersteller am Start. Im Herbst 1950 kann Charles Faroux als einer der „Erfinder“ und jetziger Renndirektor des Grand Prix d‘ Endurance les 24 Heures du Mans zusammen mit dem französischen Porsche-Importeur Auguste Veuillet Professor Ferdinand Porsche von der Idee überzeugen, seine Sportwagen 1951 auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im Departement Sarthe an den Start zu bringen. Das kleine Rennteam der Porsche KG mietet unweit der Strecke eine Werkstatt im Städtchen Teloché, wo Porsche über Jahrzehnte die Rennwagen vorbereiten und im Café du Sport manchen Sieg feiern – und die eine oder andere Niederlage verwinden wird.

Für das Rennen auf dem Kurs 220 Kilometer westlich von Paris setzt Porsche auf das 356 SL (Super Leicht ) „Gmünd-Coupé“ mit einer windschnittigen Aluminiumkarosserie und abgedeckten Rädern, das die Mechaniker liebevoll ihr „Alubüchsle“ nennen. Mit seinem 46 PS (34 kW) leistenden 1.086 ccm-Vierzylinder Boxermotor erreicht das Coupé beachtliche 160 km/h Höchstgeschwindigkeit. Schon hier wird ein Grundgedanke der technischen Philosophie von Porsche sichtbar: Konsequenter Leichtbau und eine ausgefeilte Aerodynamik sind mindestens ebenso wichtig wie eine gesunde Motorleistung.

Die Premiere gerät zum vollen Erfolg: Veuillet und sein Freund Edmond Mouche gewinnen die Klasse 751 bis 1100 ccm und werden als 20. der Gesamtwertung abgewinkt. Ihr Porsche legt ohne ein technisches Problem 2.840,65 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 118,36 km/h zurück. Der Klassensieg sichert den Startplatz im nächsten Jahr. Und der Erfolg ist keine Eintagsfliege: sieben weitere Klassensiege en suite werden folgen.

Mit drei 356 SL Coupé kehrt Porsche 1952 zurück. Der neu ernannte Presse- und Motorsportchef Huschke von Hanstein teilt das Cockpit eines der Heckmotor-Sportwagen mit Petermax Müller, muss aber nach sechs Stunden mit einem Getriebeschaden die Segel streichen. Das silberne Coupé mit der Startnummer 51 wird zu diesem Zeitpunkt auf Platz 25 der Gesamtwertung geführt. Wenig Glück hat auch das erste Kundenteam. Der Franzose Auguste Lachaize bringt unter eigener Bewerbung einen 356 SL an den Start und liegt mit Eugène Martin gut im Rennen, wird aber am Sonntagmorgen wegen Tankens bei laufendem Motor disqualifiziert. Veuillet und Mouche retten den Erfolg: Sie gewinnen ihre Klasse im 356 SL mit Startnummer 50 und einer neuen Rekorddistanz. 2.955,410 Kilometer legt das Duo mit einem Schnitt von 123,14 km/h zurück.

Die Porsche-Mannschaft bringt 1953 den 550 1500 S Spyder mit einem Coupé Hardtop an den Start. Dieser erste vom Werk eingesetzte, reinrassige Rennwagen ist mit 3,60 Metern Länge, 1,55 Metern Breite und einem knappen Meter Höhe noch kompakter als der 356 SL und wiegt ganze 540 Kilo – das sind fast zwei Zentner weniger als die Alu-Coupés auf die Waage brachten. Wegweisend ist die Lage des Motors vor der Hinterachse: Der kleine Porsche ist der einzige Heck-Mittelmotor-Renner im Starterfeld. Beim Triebwerk selbst lebt das Team dieses Jahr mit einem Kompromiss. Der 1.488 ccm große Stoßstangen-Vierzylinder auf VW-Basis leistet rund 83 PS (61 kW). Aber in Deutschland läuft bereits der bahnbrechende Viernockenwellen-Carrera-Motor von Dr. Ernst Fuhrmann (Typ 547) auf dem Prüfstand.

Porsche vertraut den Spyder mit der Startnummer 44 dem erfahrenen Helm Glöckler und dem 25-jährigen Nachwuchsmann Hans Herrmann an. Die Startnummer 45 fahren der Journalist, Motorradrennfahrer und Begründer des „Christophorus“, Richard von Frankenberg sowie der belgische Journalist und Rennfahrer Paul Frère. Die beiden leichtgewichtigen Porsche fliegen der Konkurrenz auf und davon, überholen die Rennwagen in größeren Klassen, setzen einen neuen Distanzrekord von 3.332 Kilometern und können dank ihres riesigen Vorsprungs sogar ein perfektes Fotofinish inszenieren. Frère/von Frankenberg gewinnen die Klasse bis 1500 ccm mit einem Schnitt von 138,8 km/h knapp vor ihren Teamkollegen Herrmann und Glöckler.

Das Jahr 1954 bringt die spannende und letztlich erfolgreiche Premiere des Viernockenwellen-„Fuhrmann“-Motors in Le Mans. Die Belgier Johnny Claes und Pierre Stasse gewinnen mit dem 110 PS (81 kW) starken Vierzylinder die Klasse bis 1.500 Kubikzentimeter, nachdem Richard von Frankenberg/Helm Glöckler und Hans Herrmann/Helmut Polensky mit überhitzten Kolbenböden aufgeben müssen. In der Klasse bis 1,1 Liter siegt ebenfalls ein Porsche: Es ist der 550 Spyder des Franzosen Gustave Olivier und seines amerikanischen Teamkollegen Zora Arkus-Duntov. Letzterer ist übrigens zu Hause eben im Begriff, General Motors umzukrempeln und die Corvette zur amerikanischen Legende zu machen. Alle 550 Spyder starten unter der Bewerbung der Porsche KG.

Erstmals besetzen 1955 Porsche-Fahrer alle drei Stufen des (Klassen-)Siegerpodests, nachdem Richard von Frankenberg/Helmut Polensky im Werks-550 Spyder vor Wolfgang Seidel/Olivier Gendebien und Helm Glöckler/Jaroslav Juhan in dieser Reihenfolge auf die ersten Plätze in der Klasse bis 1.500 ccm fahren. Auch in der Klasse bis 1,1 Liter erweisen sich die Porsche 550 Spyder als unschlagbar: Doppelsieg für Zora Arkus-Duntov/Auguste Veuillet vor Gustave Olivier und Josef Jeser. Der Erfolg wird allerdings vom schrecklichen Unfall eines Mercedes-Benz 300 SLR überschattet, bei dem auch zahlreiche Zuschauer ihr Leben verlieren.

Das Jahr 1956 markiert das Le Mans-Debüt für den 550 A, der am 10. Juni mit dem Gesamtsieg bei der Targa Florio unter dem allein fahrenden Umberto Maglioli für Furore gesorgt hat. Mit dem 550 A Spyder hat Porsche technisch einen großen Schritt nach vorn getan. Ein Gitterrohrrahmen löst den Flachrahmen des Vorgängers ab und macht das Auto wesentlich steifer. Das Gewicht ist um 40 auf rund 550 Kilo verringert. Der 1,5-Liter Fuhrmann-Motor leistet 135 PS (99 kW), das Fahrwerk ist völlig überarbeitet. Wolfgang Graf Berghe von Trips und Richard von Frankenberg beweisen mit dem überlegenen Sieg in der Klasse bis 1,5 Liter und dem fünften Gesamtrang, dass das kleine 550 A Coupé nicht nur auf den winkligen sizilianischen Bergstraßen, sondern auch auf einem Hochgeschwindigkeitskurs ein Siegertyp ist. Umberto Maglioli und Hans Herrmann stellen ihr 550 A Coupé nach 136 Runden mit einem Motorschaden ab.

Ein Kundenteam kann sich erstmals im Jahr 1957 in die Siegerliste eintragen. Ed Hugus und Carel Godin Graf de Beaufort gewinnen mit ihrem 550 A die Klasse und sind Achte der Gesamtwertung. Der Rennfahrer Claude Storez beweist außerordentliche Kondition und Willensstärke, als sein 550 A des Werks in der 23. Stunde mit leerem Benzintank ausrollt. Storez schiebt den Wagen eine Stunde lang bis zu den Boxen und sieht die Zielflagge als Siebter, wird dann aber disqualifiziert. Der erste Einsatz des neuen 718 1500 RSK mit Umberto Maglioli und Edgar Barth endet dramatisch. In der Nacht verunglückt Tony Brooks mit seinem Aston Martin und wird aus dem Auto geschleudert. Maglioli sieht den Briten auf der Bahn liegen, weicht aus und kracht in die Streckenbegrenzung. Dann läuft der Italienier über die Strecke und trägt den bewusstlosen Brooks zum Streckenrand und in Sicherheit.

Ein großartiges Jahr für Porsche, denn 1958 gelingt dem kleinen Team im Wettstreit mit großen Werken zum ersten Mal der Sprung auf das Podium der Gesamtwertung. Der 718 RSK übertrifft bei seinem zweiten Einsatz in Le Mans alle Erwartungen. Jean Behra und Hans Herrmann lösen sich am Steuer des Porsche mit Startnummer 29 ab. Dieser 718 RSK wird von einem auf 1.587 ccm vergrößerten Fuhrmann-Motor mit rund 150 PS (110 kW) angetrieben. Entsprechend startet der Wagen in der Klasse bis zwei Liter Hubraum. Edgar Barth/Paul Frère sowie Richard von Frankenberg/Claude Storez fahren 1,5-Liter-Motoren. Zwei private 550 A vervollständigen die Flotte der Stuttgarter Rennwagen, die erstmals ausschließlich aus offenen Spyder besteht. Das Rennen findet bei katastrophalen Witterungsbedingungen statt. Frère legt in der Nacht sogar einen Extra-Stopp ein, weil er völlig unterkühlt und durchnässt ist. Die Porsche sind enorm schnell und setzen sogar die Dreiliter-Rennwagen von Ferrari, Jaguar und Aston Martin unter Druck. Nach 24 Stunden ist der Triumph perfekt: Behra/Herrmann fahren ihren Porsche auf den dritten Gesamtrang vor Barth/Frère auf dem vierten Platz! Das sind zugleich die Klassensiege für 2,0- und 1,5-Liter-Rennwagen. Der Gewinn des Mannschaftspreises rundet ein wunderbares Wochenende ab.

Nach einem dritten Gesamtrang in Sebring und dem Gesamtsieg bei der Targa Florio mit dem 718 RSK kommt das Porsche-Werksteam 1959 zuversichtlich nach Le Mans. Und erlebt nach acht Klassensiegen in Folge eine Niederlage. Die neuen „Sprint“-Nockenwellen erweisen sich als nicht standfest genug. Alle fünf Rennwagen fallen aus. Ein privater 550 A streicht nach einem Kupplungsschaden am Sonntagmorgen die Segel.

Mission 2014. Our Return.
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Die Le Mans Rennstrecke von 1951 bis 2013
Video
Porsche in Le Mans (Trailer 1:44)
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