Porsche · Digitale Pressemappe

1960 bis 1968
Die magische 9 taucht auf
Die magische 9 taucht auf
Le Mans 1960. 35: 356 B 1600 GS Carrera GTL bei dem vor dem Rennen gerade das Gewicht gemessen wird. Erreichte Platz 1 in der Klasse Sportwagen bis 1600 ccm
718 – 904 – 908: Erfolge mit dem 718, Klassensieg durch Schiebung, der Elfer kommt – und durch die 200 km/h-Schallmauer
Der neue 718 RS60 Spyder hat sich 1960 im Vorfeld von Le Mans mit Gesamtsiegen in Sebring und bei der Targa Florio bereits als Erfolgsmodell erwiesen. Der RS60 verfügt über eine im Vergleich zum Vorgänger veränderte Aerodynamik, eine Hinterachse mit Schraubenfedern und den jetzt obligatorischen Kofferraum hinter dem Motor. Ansonsten bleibt es bei dem Gitterrohrrahmen aus nahtlosem Stahlrohr und dem bewährten Vierzylinder-Rennmotor. Nur einer der drei vom Werk genannten RS60 kommt in das Ziel, wobei Edgar Barth und Wolfgang Seidel als Gesamt-Elfte immerhin den zweiten Platz in ihrer Klasse erringen können. Vor dem Spyder und als Gesamt-Zehnter schießt ein Porsche in einem seltenen Blechkleid über die Ziellinie: es ist ein 356 B 1600 GS Carrera GTL Abarth. Die Karosserie dieser Leichtbau-Version des 356 B entstand auf Vermittlung von Carlo Abarth bei Zagato. Der 1600 GS bringt 100 Kilo weniger auf die Waage als der 356 B, am Lenkrad lösen sich Herbert Linge und Heini Walter ab, die auch die Sport-Klasse gewinnen, denn der Abarth ist für den Start in der GT-Kategorie noch nicht homologiert.

Der 718 RS61 rollt im Jahr 1961 mit dem bislang größten und stärksten Triebwerk in der jungen Geschichte von Porsche in Le Mans an den Start. Masten Gregory und Bob Holbert gewinnen mit 1.966 ccm und rund 185 PS (136 kW) ihre Klasse vor Edgar Barth und Hans Herrmann auf dem 718 RS61 „Le Mans-Coupé“, das über einen Dachaufsatz und einen 1,6-Liter-Motor verfügt. Dieser Motor gibt 160 PS (118 kW) ab, was einer sagenhaften Literleistung von 100 PS (74 kW) entspricht. Ebenfalls am Start ist Dan Gurney, den Porsche für die Formel 1 verpflichtet hat. Der Amerikaner fährt einen RS61 mit seinem Formel 1-Kollegen Jo Bonnier, fällt aber am Sonntagnachmittag mit einem Motorschaden aus. Beim RS61 handelt es sich um eine Weiterentwicklung des RS60 mit einem um 100 Millimeter auf 2.200 Millimeter verlängerten Radstand und einer neuen Hinterachse mit doppelten Dreiecks-Querlenkern. Herbert Linge und Ben Pon gewinnen im 356 B 1600 GS Carrera GTL Abarth ihre Klasse bei den GT-Rennwagen.

Der 718 W-RS mit dem neu entwickelten Achtzylinder-Motor vom Typ 771 zeigt 1962 bei der Targa Florio mit Rang drei sein Potenzial auf, erhält aber für Le Mans vom veranstaltenden Automobile Club de l‘ Ouest (ACO) keine Starterlaubnis. Mit drei 356 B 1600 GS Carrera GTL Abarth hat Porsche allerdings in der GT-Klasse noch einige Eisen im Feuer. Edgar Barth und Hans Herrmann gewinnen prompt ihre Kategorie und werden Siebte in der Gesamtwertung; Robert Buchet und Heinz Schiller kommen auf Platz 12, der dritte Porsche mit Ben Pon und Graf de Beaufort fällt nach 35 Runden aus.

Der 718 W-RS Spyder glänzt 1963 mit Platz acht im Gesamtklassement und dem Zweiliter-Klassensieg. Am Steuer des 670 Kilogramm schweren Spyder, der mit seinem 210 PS (154 kW) starken Achtzylindermotor eine Spitzengeschwindigkeit von 280 Stundenkilometern erreicht, wechseln sich Edgar Barth und Herbert Linge ab. Wobei dieser Erfolg nicht ganz ohne "Schiebung" zustande kam. Nach einem Reifenschaden muss Edgar Barth 200 Meter vor der Boxengasse aussteigen und den Wagen mit Muskelkraft bis zur Boxeneinfahrt befördern. Erst dort dürfen sich die Mechaniker um den Havaristen kümmern. Speziell für die neu geschaffene GT-Weltmeisterschaft ist bei Porsche der 356 B Carrera GS/GT entstanden, der später als „Dreikantschaber“ berühmt werden wird. Heinz Schiller und Ben Pon sowie Gerhard Koch und Carel Godin de Beaufort müssen ihre speziell für Le Mans gebauten, rund 180 PS starken Rennwagen bereits am Samstagabend mit Motorschäden abstellen.

Erstmals rollen 1964 Porsche-Rennwagen mit der berühmten 9 in der Typenbezeichnung an den Start. Der 904 Carrera GTS beginnt seine Karriere auf dem Circuit des 24 Heures mit einem Vierfachsieg in der Klasse bis zwei Liter Hubraum. Unter der Bewerbung von Auguste Veuillet, der 1951 den ersten Klassensieg für Porsche geholt hatte, gewinnen Robert Buchet und Guy Ligier vor Ben Pon und Henk van Zalinge vom Racing Team Holland. Herbert Müller, später einer der bekanntesten Porsche-Rennfahrer, nimmt Le Mans erstmals in einem Porsche unter die Räder und holt mit Claude Sage den vierten Rang in der Klasse. Der 904 Carrera GTS verfügt als erster Porsche über eine besonders leichte Kunststoff-Karosserie, die mit einem Leiterrahmen aus Stahl verklebt ist – eine zukunftweisende technische Lösung. Das Chassis ist doppelt so steif wie der Rahmen des 718. In guter Porsche-Tradition sind die 904 Leichtgewichte, die um 650 Kilogramm wiegen. Zwei verschiedene Motorisierungen sind am Start: Die vier bestplatzierten Porsche verfügen über den Zweiliter-Vierzylinder aus dem Carrera 2, der bis zu 180 PS (132 kW) abgibt. Edgar Barth/Herbert Linge und Gerhard Mitter/Colin Davis sitzen in 904/8 mit 2,0-Liter-Achtzylindermotoren, die auf dem Formel 1-Triebwerk basieren und beachtliche 260 PS (191 kW) leisten sollen. Beide in der Prototypenklasse gestarteten Achtzylinder fallen mit Kupplungsschaden aus.

Herbert Linge und Peter Nöcker fahren 1965 einen 904/6 auf Gesamtrang vier und Platz eins der Zweiliter-Prototypen, womit der Elfer bereits grüßen läßt. Denn bei dem Mittelmotor des Rennwagens mit Startnummer 32 handelt es sich um den Typ 901, der hier rund 200 PS (147 kW) abgibt. Auf dem fünften Gesamtplatz und als Sieger der Klasse GT bis zwei Liter folgen Gerhard Koch und Anton Fischhaber in einem 904 Carrera GTS. Zusätzlich gewinnt der GTS das Verbrauch-Leistungs-Klassement als effizientester Rennwagen.

Der 906 – auch Carrera 6 – ist 1966 das erste Produkt der neu geschaffenen Abteilung „Konstruktion Rennfahrzeuge“. Die Kundenwagen werden von einem modifizierten Motor des 911 mit rund 220 PS (162 kW) angetrieben. Als Werkswagen verfügt der 906 über den Achtzylindermotor vom Typ 771 mit rund 260 PS (191 kW). Das Fahrwerk und die Bremsen entsprechen zunächst im wesentlichen dem 904. Das Gewicht entspricht mit etwa 650 Kilogramm dem Vorgänger 904. Zwei neben dem Cockpit liegende Treibstofftanks ersetzen aber den im Bug liegenden Tank des 904, was in einer weit besseren Gewichtsverteilung resultiert. Eine Langheck-Version soll höhere Endgeschwindigkeiten und einen niedrigeren Treibstoffkonsum ermöglichen, erzeugt zunächst jedoch gefährlich Auftrieb. Herbert Linge, so steht es in zeitgenössischen Berichten zu lesen, erzählte an den Boxen von auf der langen Geraden durchdrehenden Antriebsrädern, weil das Heck so leicht wurde. Zwei kleine Spoiler auf dem Heck lösen das Problem. Jo Siffert und Colin Davis fahren den Neuen auf Platz vier und gewinnen die Kategorie bis zwei Liter sowie die Verbrauchswertung. Rolf Stommelen und Günther Klass siegen mit dem 906 Kurzheck in der Sportwagenklasse. Der erste Einsatz eines 911 endet mit dem Sieg in der Zweiliter-GT-Wertung und dem 14. Gesamtrang für Jean Kerguen und „Franc“ unter der Bewerbung von Jacques Dewez.

Porsche ist 1967 gleich mit drei Modellen am Start: mit dem 906, dem 910 als seinem direkten, wesentlich leichteren Nachfolger und dem 907 als dem jüngsten Erzeugnis der Rennabteilung. Der 907 ist ein perfektionierter 910, dessen Langheck Aufsehen erregt und bei den Fahrern zunächst für feuchte Handflächen sorgt, denn bei hohen Geschwindigkeiten auf der Hunaudières-Geraden ist das Auto fast nicht zu kontrollieren. Bis zum Rennen wird die Aerodynamik dann hervorragend aussortiert. Befeuert vom Sechszylinder (Typ 901) mit rund 220 Pferdestärken (162 kW) fahren Jo Siffert und Hans Herrmann den ersten Rechtslenker-Rennwagen von Porsche zum Sieg in der Zweiliter-Klasse, belegen den fünften Platz des Gesamtklassements und sichern sich die Verbrauchswertung. Ihr 907 ist der erste Porsche, der die Gesamtdistanz mit einem Schnitt über 200 km/h (201,273 km/h) bewältigt. Vic Elford und Ben Pon gewinnen im Carrera 6 die Sportwagenklasse.

Die Marken-Weltmeisterschaft wird 1968 für Prototypen mit Dreilitermotoren und für Sportwagen mit bis zu fünf Litern Hubraum ausgeschrieben. Porsche entwickelt für das Championat den 908 mit einem Dreiliter-Achtzylinder. Der luftgekühlte Boxer wird bis zu 370 PS (272 kW) abgeben. Die Entwicklung läuft unter großem Zeitdruck. Zum Glück für Porsche verlegt der Veranstalter das Rennen wegen der Studentenunruhen auf den 28. bis 29. September. Im Kampf um den Gesamtsieg besteht gegen die Ford GT40 mit ihren großvolumigen Triebwerken letztlich keine Siegeschance, so viel ist klar. Aber Jo Siffert und Hans Herrmann deuten im Qualifying mit der ersten Pole Position für Porsche im 908 schon einmal ihre Möglichkeiten an. Und Porsche bringt aus Le Mans eine ansehnliche Sammlung an Pokalen mit: Der vom Werk eingesetzte 907 mit Rico Steinemann und Dieter Spoerry erobert Gesamtrang zwei und den Sieg in der Klasse bis 2,5 Liter. Nach zehn Jahren stehen Porsche Rennfahrer wieder auf dem Siegerpodest. Rolf Stommelen und Jochen Neerpasch drehen im Rennen die schnellste Runde und sichern sich im 908 ebenfalls einen Platz auf dem Podium: Gesamtrang drei und Klassensieg bis drei Liter Hubraum. Der Schauspieler und Rennfahrer Jean-Pierre Gaban schließlich gewinnt zusammen mit Roger Vanderschrick im 911 T bei den GT bis 2.000 ccm. Siffert/Herrmann müssen mit einem Getriebeproblem aufgeben. Aber die Richtung ist klar: Es geht mächtig voran.

Mission 2014. Our Return.
Countdown für 2014
Es war die Nachricht, auf die Motorsportfans in aller Welt gewartet haben: Porsche kehrt 2014 mit einem neu entwickelten LMP1-Sportprototypen zu den 24 Stunden von Le Mans und in die Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC zurück. mehr ...
Beobachtungen aus Le Mans
Historische Plakate
Die Le Mans Rennstrecke von 1951 bis 2013
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Porsche in Le Mans (Trailer 1:44)
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Porsche in Le Mans
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