Porsche · Digitale Pressemappe

1974 bis 1981
Die Turbos kommen
Die Turbos kommen
1974 Le Mans (24-h-Rennen), Porsche 911 Carrera RSR Turbo 2,1
911 Carrera RSR Turbo 2.1 – 935 – 936: ein zwei Meter breiter Elfer, Sieg für die Konkurrenz gerettet, erster Turbotriumph, erster Sieg für einen Boxermotor, Porsche-Fünfzylinder gewinnt nach Rennkrimi, der erste Gesamtsieg für ein Kundenteam, Turbo als Sauger ins Ziel gerettet, Beginn einer Rekord-Siegesserie
Porsche schreibt in Le Mans auch 1974 Technik- und Sportgeschichte. Der erste Rennwagen mit Turbolader auf dem Circuit des 24 Heures ist der 911 Carrera RSR Turbo 2.1. Porsche bereitet mit diesem brachialen Elfer den Einstieg in die Produktionswagen-Weltmeisterschaft vor, die nun für 1975 angekündigt ist. Sein Sechszylinder-Boxer ist reglementskonform auf 2.142 ccm verkleinert und leistet mit einem Ladeluftkühler rund 500 PS (368 kW). Porsche hat beim Einsatz des 917/10 bis 917/30 in Amerika bereits viel Know-How mit der für Hochleistungs-Benzinmotoren relativ jungen Turbolader-Technik gesammelt und die abgasseitige Steuerung des Ladedrucks bis zur Rennreife entwickelt. Beim Aufbau des RSR Turbo 2.1 steht die Verringerung des Gewichts im Mittelpunkt, um gegen die Sportprototypen mit ihren Rohrrahmen zumindest die Aussicht auf einen Achtungserfolg zu haben. So besteht der Sicherheitskäfig aus Aluminium. Alle Hauben, die Kotflügelverbreiterungen und die Türen (Gewicht: je 2,25 kg) sind aus Kunststoff hergestellt. Für ein konstantes Handling geht Porsche unorthodoxe Wege. Der Treibstofftank liegt an der Stelle des Beifahrersitzes. Am Sonntagmorgen halten sich Gijs van Lennep und Herbert Müller auf dem zweiten Platz hinter einem der hoch favorisierten Matra-Prototypen, während Helmut Koinigg und Manfred Schurti den zweiten Werkswagen nach 87 Runden mit einem Pleuelschaden abstellen müssen. Dann entwickelt sich am Matra ein Getriebeproblem. Porsche schickt zwei der besten Getriebemechaniker in die Box der Franzosen. Die Porsche-Leute reparieren das Getriebe des stärksten Gegners in rekordverdächtigen 20 Minuten. Der Matra gewinnt. Hintergrund der Rettungsaktion: Das Getriebe im Matra ist eine Entwicklungsarbeit von Porsche. Und der Kunde ist eben König. Ironie des Schicksals: van Lennep und Müller müssen seit Sonntagvormittag mit dem vierten Gang ihres Getriebes auskommen. Beim RSR als Produktionswagen wäre ein Getriebewechsel zu zeitaufwendig. Am Ende jedoch fährt der erste Porsche 911 mit Turbolader auf den sensationellen zweiten Platz. Wenige Wochen nach dieser letzten Feuerprobe präsentiert Porsche den 911 Turbo (930), mit dem der Elfer in neue Leistungsregionen vorstößt.

Der Beginn der Produktionswagen-WM wird um ein Jahr verschoben, das Werksteam pausiert 1975, unterstützt aber Kunden in Le Mans. Reinhold Joest setzt einen 908/03 mit einem für Le Mans modifizierten Langheck des 917/30 ein. Joest, Mario Casoni und Jürgen Barth liegen mit dem Dreiliter-Achtzylinder-Boxer zeitweilig auf dem zweiten Platz. Dann vernichtet ein Unfall von Casoni mit folgendem 60-minütigen Boxenstopp die Aussichten auf das Podium. Immerhin wird der private Porsche Vierter. Die Plätze fünf bis elf werden exklusiv von 911 Carrera RSR und RS eingenommen. Ein RSR des Teams von Georg Loos gewinnt die GT-Kategorie, ein von Gerhard Maurer an den Start gebrachter RS ist bei den Serien-GT erfolgreich.

Im Jahr 1976 beschert Porsche der Fachwelt und den Fans in Le Mans zwei weitere Premieren. Jacky Ickx und Gijs van Lennep siegen auf einem Porsche 936 mit dem bereits 1974 bewährten 2,1-Liter-Boxer Turbomotor, der jetzt 550 PS (405 kW) leistet. Mit diesem Erfolg gelingen dem Belgier und dem Niederländer in dem schwäbischen Rennwagen gleich zwei Premieren: nie zuvor hat hier ein Boxermotor gewonnen. Und nie zuvor ein Motor mit Turbolader. Der 936 ist, den technischen Regeln der „Gruppe 6“ für die Sportwagen-Weltmeisterschaft entsprechend, ein lupenreiner Rennwagen mit Mittelmotor und Gitterrohrrahmen, der lediglich 765 Kilogramm wiegt. Neben dem 936 erlebt der Porsche 935 sein Le Mans-Debüt. Das Werk setzt den vom 911 Turbo (930) abgeleiteten Rennwagen erfolgreich in der Marken-Weltmeisterschaft („Gruppe 5“) ein. Das Gewicht dieses Renn-Elfers beträgt 970 Kilogramm. Im Heck arbeitet ein 2,8-Liter-Turbo, für den Porsche „mindestens 590 PS“ (434 kW) angibt. Auch der 935 mit Rolf Stommelen und Manfred Schurti ist nicht zu biegen und gewinnt mit dem vierten Gesamtrang auf Anhieb die „Gruppe 5“-Wertung. Mit weiteren ersten Plätzen in der „Gruppe 4“ für seriennähere Rennwagen und der Klasse IMSA GTX nimmt Porsche alle Siegerpokale mit nach Stuttgart, die es 1976 in Le Mans zu gewinnen gibt.

Das Jahr 1977 sieht eines der spannendsten Rennen in der Geschichte der 24 Heures. Renault hat vier gesamtsiegfähige A 442 Turbo an den Start gebracht, dazu zwei werksunterstützte „Mirage“ mit Renault-Turbomotoren. Porsche setzt zwei 936 Spyder dagegen. Am Samstagabend sieht es übel aus. Jacky Ickx und Henri Pescarolo haben ihren 936 mit Motorschaden abgestellt. Auch der Turbomotor im 935 von Rolf Stommelen und Manfred Schurti hat den Dienst quittiert. Jürgen Barth und Hurley Haywood liegen nach dem Tausch der Einspritzpumpe im verbliebenen 936 auf Platz 42, neun Runden hinter dem führenden Renault Turbo. Ickx verstärkt die beiden und startet in der Nacht einen entschlossenen Angriff. Der Belgier bleibt siebeneinhalb Stunden im Cockpit und dreht eine Rekordrunde nach der anderen. Renault antwortet mit verschärftem Tempo – und bekommt technische Probleme. Am Sonntagmittag ist der letzte Werks-Renault aus dem Rennen! Porsche und Renault sind bei ihrem Duell über den Wolken dem Rest der Welt weggefahren. Nach 23 Stunden führt der 936 mit 250 Kilometern Vorsprung auf den Zweiten. Dann der Schock: Weniger als eine Stunde vor dem Ziel bringt Haywood das Auto mit einem Kolbenschaden in die Box. 42 Minuten Reparatur. Jürgen Barth übernimmt und trägt den 936 mit stillgelegtem Zylinder über die letzten beiden Runden und über die Ziellinie – Gesamtsieg Nummer vier ist gerettet. Ein privater 935 des JMS Racing Teams gewinnt die „Gruppe 5“, der Sieg des 934 von Porsche-Kremer in der „Gruppe 4“ für seriennahe Rennwagen macht den Triumph für Porsche vollkommen.

Der 935/78 „Moby Dick“ ist 1978 die stärkste jemals gebaute Version des 911. Der erstmals mit wassergekühlten Vierventil-Zylinderköpfen versehene 3,2-Liter-Doppelturbo in dem Porsche von Rolf Stommelen und Manfred Schurti gibt in Le Mans 750 PS (552 kW) ab, bei Sprintrennen leistet er bis zu 845 Pferdestärken (622 kW). Dank der massiven Motorkraft und einer gegenüber dem Ur-935 um 60 Millimeter abgesenkten sowie rundum aerodynamisch optimierten Karosserie erreicht das Auto in Le Mans 366 Stundenkilometer – es kann in dieser Hinsicht den Prototypen Paroli bieten. Allerdings ist „Moby Dick“ kein Aspirant auf den Gesamtsieg, denn der 120-Liter-Tank macht bei dem relativen hohen Treibstoffverbrauch dieses Fahrzeugs zu viele Stopps notwendig. Kleine Probleme summieren sich zu 2 ¾ Stunden Standzeit in der Box: Platz acht für den Überflieger, während Bob Wollek, Jürgen Barth und Jacky Ickx vor Hurley Haywood, Peter Gregg und Reinhold Joest in den Werks-936 – ebenfalls mit wassergekühlten Zylinderköpfen – die Plätze zwei und drei hinter einem siegreichen Renault A 442 belegen. Klassensiege in den Gruppen IMSA GTX und 5 für private 935 sowie für einen 911 Carrera RSR in der seriennahen Klasse für GT-Sportwagen bis drei Liter Hubraum entschädigen Porsche für den knapp entgangenen Gesamtsieg.

Der erste und bislang einzige Gesamtsieg eines Rennwagens mit Heckmotor gelingt 1979 Klaus Ludwig mit Don und Bill Whittington in einem 935 K3 des Kremer Racing Teams, das damit zugleich den ersten Gesamtsieg eines Porsche-Kundenteams in Le Mans erringt. Ein 935 von Dick Barbour Racing auf Platz zwei und das Schwester-Auto des Gesamtsiegers auf dem dritten Rang machen den Triumph der Porsche-Kunden vollkommen. Wenig Rennglück haben dagegen die 936 des Werks. Die Trainingsschnellsten Bob Wollek und Hurley Haywood müssen am Sonntagmorgen mit einem Motorschaden aufgeben. Dramatisch verläuft das Rennen von Jacky Ickx, Brian Redman und Jürgen Barth im zweiten Werks-Auto, die die schnellste Rennrunde drehen. Nach einem Reifenschaden bei 240 km/h schafft Redman am Samstag die Rückkehr zu den Boxen, wo über eine Stunde repariert wird. Jacky Ickx dreht in der Nacht Fabelrunden, bis der Zahnriemen der Einspritzpumpe reißt und auch der Ersatzriemen nicht hält. Ein Teammitglied bringt weiteren Ersatz zum Havaristen draußen an der Strecke, was nicht den Regeln entspricht und die Disqualifizierung des kämpferischen Trios nach sich zieht.

Reinhold Joest bringt 1980 mit Unterstützung aus Weissach einen „908/80“ an den Start, bei dem es sich tatsächlich um das Chassis eines 936 aus dem Vorjahr handelt. Als Antriebsquelle dient ein vom Werk erstandener 2,1-Liter-Turbomotor. Der Porsche führt vor einem Rondeau, als wie im Vorjahr der Zahnriemen der Einspritzpumpe bricht. Die Führung geht verloren, aber Ickx legt erneut eine seiner legendären Aufholjagden hin. Der Porsche fährt wieder auf Platz eins, als am Sonntagmorgen der fünfte Gang versagt. Nach einer 25-minütigen Reparatur nimmt der 908/80 die Fahrt wieder auf und ist am Ende Zweiter hinter dem siegreichen Rondeau. Klassensiege holen ein 935 K3 von Dick Barbour Racing und ein 935 von Vegla Racing. Für das Werk debütiert der 924 Carrera GT als besonders sportliche Version des Transaxle-924, womit erstmals ein Porsche mit wassergekühltem Frontmotor den Kurs umrundet. Der beste dieser seriennahen Sportler fährt auf den vielbeachteten sechsten Gesamtrang. Thierry Perrier und Roger Carmillet fahren einen privaten 911 SC mit Ethanol-Kraftstoff auf den 16. Platz.

Porsche sieht für 1981 zunächst lediglich den Testeinsatz eines 944-Prototypen vor. Dann gibt der neue Vorstandschef Peter W. Schutz die Losung aus, um einen weiteren Gesamtsieg zu kämpfen. Die Rennabteilung beschließt, den 1977 und 1978 siegreichen 936 aus dem Museum zu holen. Die Regeln erlauben jetzt den Einbau eines großvolumigeren Turbo-Motors, und die Rennabteilung entscheidet für den 2,65-Liter-Doppelturbo des nicht zum Einsatz gekommenen Indy-Wagens. Der Sechszylinder leistet für Le Mans zirka 620 PS (456 kW), zur Sicherheit kombiniert Porsche diesen Treibsatz mit dem robusten Viergang-Getriebe des CanAm-917. Zwei 936/81 Spyder bringt das Werk an den Start des mit Lancia, Ferrari, Peugeot, Rondeau und vielen privaten 935 stark besetzten Rennens. Die Trainingsschnellsten Jacky Ickx und Derek Bell kontrollieren das Geschehen vom Start weg und gewinnen mit 14 Runden Vorsprung vor einem Rondeau. Dieser Erfolg markiert den Beginn einer Serie von sieben Siegen in Folge, wie sie bislang kein anderer Hersteller aufweisen kann. Der zweite 936 Spyder mit Jochen Mass, Hurley Haywood und Vern Schuppan dreht die schnellste Rennrunde, wird dann aber von technischen Problemen eingebremst und rollt schließlich auf Platz zwölf über die Ziellinie. Wobei Vern Schuppan vom Team ebenfalls gefeiert wird: Er baut draußen an der Strecke den Turbolader ab, verwandelt das Auto zum „Sauger“ und rettet so immerhin die Zielankunft! Walter Röhrl und Jürgen Barth fahren den 944 Prototypen mit der Tarnbezeichnung 924 Carrera und dem Motor des kommenden 944 auf den siebten Gesamtrang. Erstmals kommt hier eine vollelektronische Treibstoffeinspritzung von Bosch zum Renneinsatz. Der Vierzylinder-Turbo besteht diesen letzten Härtetest mit Bravour: Gesamtrang Sieben, Klassensieg und ein Sonderpreis für die kürzeste Standzeit in der Box.

Mission 2014. Our Return.
Countdown für 2014
Es war die Nachricht, auf die Motorsportfans in aller Welt gewartet haben: Porsche kehrt 2014 mit einem neu entwickelten LMP1-Sportprototypen zu den 24 Stunden von Le Mans und in die Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC zurück. mehr ...
Beobachtungen aus Le Mans
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Die Le Mans Rennstrecke von 1951 bis 2013
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Porsche in Le Mans (Trailer 1:44)
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Porsche in Le Mans
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