Porsche · Digitale Pressemappe

Am Rand bemerkt
Am Rande bemerkt
Beobachtungen aus Le Mans
Porsche mit der besten Kondition: Seit 1951 bis 2013 sind jedes Jahr Sportwagen der Marke Porsche am Start. 63 Jahre, 753 Porsche. Einsamer Rekord. So die offizielle Statistik des veranstaltenden Automobile Club de’l Ouest (ACO).

Erster Start, erster Sieg, erster deutscher Hersteller: 1951 gewinnt ein Porsche 356 SL Coupé gleich beim ersten Start seine Klasse. Porsche ist der erste deutsche Hersteller in Le Mans nach dem Krieg.

Eine Box für die Presse: 1953 beklagen sich die Journalisten bei Rennleiter und Pressechef Huschke von Hanstein über schlechte Arbeitsmöglichkeiten und fehlende Telefonleitungen im Pressezentrum. Der Baron stellt der schreibenden Zunft kurzerhand eine von drei Porsche-Boxen mitsamt Telefon zur Verfügung. Die Journalisten erleben den überlegenen Klassensieg des neuen 550 1500 RS Spyder Mittelmotor-Rennwagens aus nächster Nähe.

Der erste Vollblut-Rennmotor von Porsche arbeitet 1954 im 550 Spyder. Der Viernockenwellen-„Fuhrmann“-Motor leistet 110 PS (81 kW) und debütiert mit einem Sieg in der Klasse bis 1,5 Liter.

Formel 1 Piloten und Rallye-Asse in Le Mans: Wolfgang Graf Berghe von Trips gewinnt mit Richard von Frankenberg am 29. Juli 1956 im RS 550 A die Klasse bis 1500 ccm. Am 2. September wird er beim GP von England in der Formel 1 debütieren. Später starten zahlreiche Formel 1- und Rallye-Asse auf Porsche. Unter ihnen Graham Hill (1960), Jochen Rindt (1967), Björn Waldegård (1971), Walter Röhrl (1981, 1993), Alan Jones (1984) und Damon Hill (1989). Das beste Ergebnis erzielt Mario Andretti. Der Formel 1-Weltmeister von 1978 wird auf einem 956 im Jahr 1983 Dritter.

Mit leerem Benzintank schiebt der Franzose Claude Storez 1957 seinen 550 A Spyder ab der 23. Stunde eine Stunde lang bis zum Ziel, wo er zunächst als Siebter gewertet, später aber disqualifiziert wird. Ed Hugus und Godin Graf de Beaufort gewinnen in ihrem 550 A Spyder die Klasse bis 1,5 Liter und sind damit die ersten Kunden, denen ein Sieg gelingt.

Einen Boxenstopp wegen Unterkühlung muss Paul Frère 1958 bei katastrophalem Wetter in der Nacht einlegen. Er wärmt sich gut auf und fährt einen 718 RSK Spyder auf den vierten Platz. Vor ihm können sich Jean Behra und Hans Herrmann als Dritte über das erste Podiumsergebnis in der Gesamtwertung freuen.

Die Geschichte der 9 beginnt in Le Mans 1964 mit dem 904 Carrera GTS. Der Anfang gerät standesgemäß mit einem Vierfachsieg in der Zweiliter-Klasse. Der 904 ist der erste Sportwagen, bei dem Porsche eine Stahl-Fiberglas-Verbundbauweise für niedriges Gewicht bei hoher Festigkeit realisiert.

Der erste Einsatz eines 911 endet 1966 mit dem Sieg in der Zweiliter-GT-Klasse.

Der erste Porsche-Rennwagen mit Rechtslenkung ist 1967 der 907. Der Grund: Die meisten Rennstrecken werden im Uhrzeigersinn gefahren und weisen mehr Rechtskurven auf. Da ist das Fahrergewicht auf den kurveninneren Rädern besser platziert. Jo Siffert und Hans Herrmann gewinnen die Zweiliter-Klasse. Ihr 907 ist der erste Porsche, der die Gesamtdistanz mit einem Schnitt von über 200 km/h (201,273 km/h) bewältigt.

Erstmals steigen zwei Porsche-Teams auf das Podium, als Rico Steinemann und Dieter Spoerry 1968 einen 907 auf Platz zwei vor Rolf Stommelen und Jochen Neerpasch im 908 in das Ziel bringen. Jo Siffert und Hans Herrmann haben vorher auf einem 908 die erste Trainingsbestzeit für Porsche geholt.

Das Jahr 1969 sieht den letzten „Le Mans Start“, bei dem die Fahrer wie seit 1925 zu ihren an den Boxen aufgereihten Autos sprinten. Zur Legende wird das Duell zwischen Hans Herrmann/Gérard Larrousse (908) und Jacky Ickx/Jackie Oliver (Ford GT40) um den Sieg, das Ickx mit knapp 120 Metern Vorsprung gewinnt. Knapper ging es nur zwischen zwei Ford GT40 zu, als Amon/McLaren mit 20 Metern Vorsprung auf Miles/Hulme siegten.

Nach dem Kampf der Titanen knallen 1970 bei Porsche die Champagnerkorken. Hans Herrmann und Richard Attwood haben im 917 Kurzheck von Porsche Salzburg den ersten Gesamtsieg vor Gérard Larrousse und Willi Kauhsen im 917 Langheck von Martini Racing und einem 908/02 Langheck auf Platz drei geholt. Sieben Porsche 917 treten gegen elf Ferrari 512 und Prototypen mit Dreiliter-Formel 1-Motoren an. Katastrophales Wetter, Aquaplaning bei 300 Sachen. Da muss eine heroische Überschrift schon erlaubt sein. Als Starter fungiert übrigens Dr. Ferry Porsche.

Der Sieger fährt nicht mehr: Hans Herrmann erklärt nach seinem historischen ersten Le Mans-Sieg mit Porsche im Alter von 42 Jahren seinen Rücktritt vom Motorsport und macht damit das Versprechen an seine Gattin wahr: „Wenn ich Le Mans gewinne, höre ich auf.“

Für die Dreharbeiten zum Renn-Epos „Le Mans“ bringt Hauptdarsteller und Co-Produzent Steve McQueen einen 908/02 als Kamerawagen an den Start. Herbert Linge und Jonathan Williams fahren mit schweren Kameras an Bord mitten in die Action – und trotz langer Boxenstopps zum Wechseln der Filmrollen auf den hervorragenden achten Gesamtrang. Zehn Kilometer Film mit damals sensationellen Rennaufnahmen sind die Ausbeute. Nach dem Rennen stellen unter anderem Derek Bell, Vic Elford, Herbert Linge, Herbert Müller, Jo Siffert und Rolf Stommelen im Porsche 917 und Ferrari 512 Rennszenen nach. In dem 104 Minuten langen Streifen lässt McQueen tatsächlich vor allem die Motoren sprechen: Während der ersten 38 Minuten fällt kein Wort.

Ein Feuerwerk der Rekorde brennt Porsche 1971 beim erneuten Doppelsieg für den 917 ab. Helmut Marko/Gijs van Lennep legen bei ihrer Siegfahrt 5.335,13 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 222,304 km/h zurück. Der Distanzrekord wird bis 2009 Bestand haben. Jackie Oliver dreht im zweitplatzierten 917 die schnellste Rennrunde mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 244,387 km/h. Erst 2008 wird ein Fahrer im Rennen schneller sein. Erstmals geht das Rennen mit einem fliegenden Start auf die Reise. Von 49 Teilnehmern sitzen 33 in Porsche. Auch das ist Rekord.

Ungläubiges Kopfschütteln bei Ingenieur Norbert Singer löst Derek Bells Auskunft aus, den Zwölfzylinder des 917 auf der Hunaudieres-Geraden beim Vortraining 1971 im höchsten Gang bis 8100 Touren gedreht zu haben. Singer kalkuliert die entsprechende Geschwindigkeit mit 396 km/h.

Ungläubiges Kopfschütteln bei den Fotografen löst im selben Jahr „die Sau“ aus, der 917/20 in rosa Lackierung, auf dem schwarze Linien die „besten Stücke“ für den Schlachter markieren. Porsche-Designer Anatole Lapine kam diese Idee spontan, als er das ausladend designte Einzelstück sah.

Erstmals und unerwartet mischt 1973 ein Porsche 911 im Kampf um das Podium mit. Der 911 Carrera RSR 3.0 des Werks unter Gijs van Lennep und Herbert Müller fährt auf Gesamtrang vier. Lediglich zwei Runden hinter einem 200 Kilogramm leichteren Matra-Sportprototypen mit Formel 1-Motor.

Für den ersten 911 Turbo liegt der Gesamtsieg 1974 in greifbarer Nähe, als der hochfavorisierte Matra-Prototyp mit einem Getriebeproblem die Boxen anläuft. Aber Porsche schickt zwei Topmechaniker zu den Franzosen, die den Schaden in rekordverdächtigen 20 Minuten beheben. Der Matra gewinnt, der 911 Carrera RSR Turbo 2.1 wird Zweiter. Hintergrund der Hilfsaktion: Das Matra-Getriebe ist ein Auftragsentwicklung von Porsche. Und der Kunde ist eben König. Delikat: van Lennep und Müller fahren den Turbo seit Sonntagvormittag nur noch im vierten Gang. Eine Reparatur wäre bei dem Produktionswagen zu zeitaufwendig. Im Oktober präsentiert Porsche den ersten straßenzugelassenen 911 Turbo (930) auf dem Pariser Autosalon.

Überhaupt nichts für schwache Nerven ist der Weg zum Sieg 1977. Nur einer von drei gestarteten 936 Spyder ist am Samstagabend noch im Rennen und fällt nach dem Tausch der Einspritzpumpe auf Platz 42 zurück - neun Runden hinter dem führenden Renault. In der Nacht startet Jacky Ickx im Porsche eine unglaubliche Attacke, fährt siebeneinhalb Stunden und hetzt die Renault in Defekte. Eine Stunde vor dem Ziel führt der 936 Spyder klar – und läuft mit einem Kolbenschaden für 42 Minuten die Boxen an. Kurz vor Ablauf der 24 Stunden trägt Jürgen Barth das Auto noch zwei Runden um den Kurs – der unmöglich erscheinende Sieg ist gerettet.

Den einzigen Sieg eines Heckmotor-Rennwagens in Le Mans erzielen 1979 Klaus Ludwig, Don und Bill Whittington im 935 K3 Turbo von Kremer Racing.

Schnellster im Qualifying, aber nicht auf Startplatz eins. Dieses Schicksal ereilt 1980 John Fitzpatrick, der im 935 K3 von Kremer Racing die beste Runde dreht, aber trotzdem Henri Pescarolo und Jean Ragnotti im Rondeau den Platz an der Sonne überlassen muss. Denn nur in diesem Jahr werden die besten Trainingszeiten beider Fahrer eines Autos aufaddiert.

Mit dem Sieg eines 936/81 beginnt 1981 eine Serie von sieben Gesamtsiegen, die erst 1987 mit dem Erfolg eines 962 C zu Ende gehen wird. Eine bis heute von keinem anderen Hersteller erreichte Siegesserie.

Einen letzten Härtetest besteht der als 924 Carrera GTR getarnte Prototyp des neuen 944 mit Bravour: Gesamtrang sieben. Im Herbst präsentiert Porsche den neuen 944 der Öffentlichkeit.

Mit einem Dreifachsieg beginnt der neue Porsche 956 im Jahr 1982 seine Traumkarriere. Der Typ 956 ist der erste Porsche-Rennwagen mit einem Monocoque-Chassis und mit aerodynamischem Bodeneffekt, der das Auto bei der Fahrt an die Streckenoberfläche saugt und extreme Kurvengeschwindigkeiten ermöglicht. Bis 1987 wird der 956 und sein Nachfolger 962 C unbesiegt bleiben.

Neun Porsche 956 in den Top Ten. Nur der neunte Platz geht 1983 an einen Sauber BMW. Nie vorher oder nachher hat ein Automobilfabrikat Le Mans derart dominiert.

Der zehnte Gesamtsieg für Porsche gelingt 1985. Damit ist Ferrari (neun Gesamtsiege) überholt, Porsche der neue Rekordsieger. Hans-Joachim Stuck dreht auf dem Werks-962 C im Qualifying die schnellste je in Le Mans gefahrene Runde. Dieser Rekord von 251,815 km/h steht noch immer.

Zwei Siege mit einem Chassis kann Joest Racing 1985 feiern, denn der 956 mit der Chassisnummer 117 war auch im Vorjahr erfolgreich. Das ist in Le Mans ansonsten nur Ford 1968/69 und Bentley 1929/30 gelungen.

Der erste und einzige allradgetriebene Rennwagen im Ziel des 24-Stunden-Rennens ist 1986 ein Porsche. Der 961, eine Rennversion des wegweisenden 959, kommt auf den siebten Gesamtrang und gewinnt seine Klasse.

Abstand halten! Dieses Motto nehmen Stuck/Bell/Holbert im 962 C bei ihrem Sieg 1987 sehr wörtlich. Sie gewinnen mit einem Vorsprung von 259,785 Kilometern auf Yver/de Dryver/Lässig in einem weiteren 962 C. Mehr Abstand zwischen dem Sieger und dem Zweitplatzierten hatte es nur 1927 gegeben, als ein Bentley einen Salmson knapp 350 Kilometer abhängte.

Der erste Elfer mit Mittelmotor ist der 911 GT1 von 1996. Zwei Exemplare starten in der Klasse LM GT1 und holen dort auf Anhieb einen Doppelsieg.

Der bis heute jüngste Gesamtsieger ist 1996 Alexander Wurz im TWR Porsche WSC95. Der Österreicher ist gerade 22 Jahre, vier Monate und einen Tag alt, als er mit Manuel Reuter und Davy Jones im Porsche von Joest Racing gewinnt.

Das erste Kohlefaser-Chassis entsteht bei Porsche für den 911 GT1 ‘98. Es ist 72% steifer als das Aluminium-Chassis des 956. Mit diesem Rennwagen gelingt beim ersten Start in Le Mans der Doppelsieg zum 50. Markenjubiläum 1998.

Mit einem Klassensieg beginnt 1999 die Geschichte des seriennahen 911 GT3 R in Le Mans. Sechs weitere folgen en suite – Porsche kehrt im GT-Sport zurück zu den Wurzeln.

Durch die Schallmauer bricht 2008 der amerikanische Werksfahrer Patrick Long, als er auf einem 911 GT3 RSR eine Trainingsrunde von 3:58.1 Minuten dreht. Eine Zeit unter vier Minuten galt für einen GT2-Rennwagen bis zu Longs Fahrt als unmöglich.

Der Sportprototyp Porsche RS Spyder gewinnt 2009 zum zweiten Mal in Folge die Klasse 2 der Prototypen. Sein V8-Motor stellt eine technische Pionierleistung dar. Nie zuvor erreichte ein Benzindirekteinspritzer ähnlich hohe Drehzahlen. Erst bei 11.000 Touren regelt die Elektronik den Motor ab. 2008 und 2009 gewinnt der RS Spyder als effizientester Rennwagen die Michelin Green X Challenge.

Porsche bleibt der Meister der Zeitenjagden. 16 Trainingsbestzeiten haben die Rennwagen aus Weissach zwischen 1968 (erste Pole für Porsche durch Jo Siffert im 908) und 1997 (vorerst letzte Pole durch Michele Alboreto im TWR Porsche) erzielt. Das sind doppelt so viele wie der zweitbeste Qualifyer Audi mit acht (Stand: 2013). Auch bei den schnellsten Rennrunden ist Porsche mit 14 Rundenrekorden vorn. Jacky Ickx hält die Bestmarke bei den Fahrern mit fünf Rundenrekorden, sämtlich auf Porsche erzielt (77, 79,80, 83, 85). Platz zwei: Ferrari mit zehn.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Der neue 911 RSR beschert dem Elfer 2013 mit einem Doppelsieg in der GT-Klasse ein passendes Präsent zum 50. Jubiläum des Sportwagens.

Mission 2014. Our Return.
Countdown für 2014
Es war die Nachricht, auf die Motorsportfans in aller Welt gewartet haben: Porsche kehrt 2014 mit einem neu entwickelten LMP1-Sportprototypen zu den 24 Stunden von Le Mans und in die Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC zurück. mehr ...
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Die Le Mans Rennstrecke von 1951 bis 2013
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